Raiffeisenbank Stauden trotzt der Corona-Krise mit einem sehr guten Ergebnis

Die Überlegung zu einer Fusion mit der Raiffeisenbank Schwabmünchen sorgt für unterschiedliche Meinungen bei den Vertretern – Markus Biermann als neuer Vorstand vorgestellt

Langenneufnach, 14.09.2021

Stauden Am Ende der Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Stauden eG wurde es doch noch einmal sehr emotional: Viele Meinungen gab es zu den Vorgesprächen für eine mögliche Fusion mit der Raiffeisenbank Schwabmünchen. Einige sahen darin keine Notwendigkeit, andere wiederum einen nötigen und richtigen Schritt in die Zukunft. Das Ergebnis für das Jahr 2020 war dagegen trotz der Corona-Krise eindeutig in Ordnung. Es gab deutliche Steigerungen bei der Bilanzsumme, bei den Einlagen und Krediten. Auch ein Wechsel in der Führungsriege wurde bekanntgegeben. Markus Biermann stellte sich den Mitgliedern kurz vor und übernimmt die Geschäfte vom zum Jahresende ausscheidenden Vorstand Dominic Lauter, der einen Vorstandsposten in seiner Allgäuer Heimat antritt.

Unter strengen Corona-Auflagen und einer Ausnahmegenehmigung des Gesundheitsamtes durfte die Raiffeisenbank Stauden ihre Vertreter zur Versammlung in der Staudenlandhalle Fischach empfangen. Und genau dieses Thema beschäftigte auch die Banken im Jahr 2020 schwer. Corona bedeutete viele Einschränkungen im privaten und geschäftlichen Bereich. Sogar die Vertreterversammlung, das Herzstück unserer demokratischen Willensbildung, wie Vorstandsvorsitzender Thomas Walter es nannte, musste ganz neu geregelt werden. „Zahlreiche Genossenschaften sind auf eine digitale Variante ausgewichen, wir haben das Glück, Ihnen hier in Präsenz das Ergebnis für das abgelaufene Geschäftsjahr zu präsentieren“, begrüßte Walter die Vertreter. In seiner Eröffnungsrede zeigte er nochmals auf, vor welche schwierigen Herausforderungen die Pandemie die Bank, aber auch die Kunden stellte. „Wir konnten schnell und wie so oft zitiert unbürokratisch unseren Kunden helfen. Auch die Anlageberatung gestaltete sich deutlich umfangreicher. Aus heutiger Sicht betrachtet, hat die Bank diese Krisensituation gut gemeistert“, stellte Walter zufrieden fest. Er gab auch noch einen kurzen wirtschaftlichen Rückblick und betonte, dass die Politik in dieser schwierigen Phase einen guten Job gemacht hat. Durch massive Stützungsmaßnahmen, die von allen Parteien ohne große Diskussionen mitgetragen wurden, konnten die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Krise deutlich reduziert werden und viele Unternehmen und damit Arbeitsplätze gerettet werden.

Anschließend präsentierte Dominic Lauter die Zahlen der Bank. Die Bilanzsumme konnte um 16 Prozent auf 293 Mio. Euro gesteigert werden. Auch die Einlagen wuchsen inklusive Verbundanlagen um 26 Mio. Euro auf insgesamt 366 Mio. Euro. Ebenso nahmen die Ausleihungen, also die Kredite an Kunden, um 16 Mio. Euro auf 130 Mio. Euro zu. Fast die Hälfte der Kunden ist mittlerweile Mitglied der Genossenschaftsbank. Die Dividende für den Anteil betrug drei Prozent. Vor allem auf die Bankeinlagen blickend meinte hier Thomas Walter abschließend, dass sich der traditionelle deutsche Sparer doch bald zu einem Anleger entwickeln muss, der die ganze Bandbreite der Anlagemöglichkeiten ausnutzen sollte, damit sein Erspartes nicht von Niedrigzins und Inflation aufgefressen wird. Danach berichtete Aufsichtsratsvorsitzender Michael Wiblishauser von der Arbeit des Gremiums und gab auch das gute Prüfungsergebnis für die Bank durch den Genossenschaftsverband Bayern bekannt.

Bei den Abstimmungen wurden schließlich der Vorstand als auch der Aufsichtsrat einstimmig entlastet. Der Beschlussfassung über die Verwendung des Jahresüberschusses wurde ebenfalls ohne Gegenstimme zugestimmt. Wiedergewählt wurden auch die beiden Aufsichtsratsmitglieder Michael Wiblishauser und Hermann Burkhard.

Beim letzten Tagesordnungspunkt wurde es dagegen weitaus emotionaler. Thomas Walter informierte die Versammlung über Vorgespräche zu einer möglichen Fusion mit der Raiffeisenbank Schwabmünchen. Die Herausforderungen, denen sich die Banken stellen müssen, wachsen ständig. Immer umfangreichere und detailliertere regulatorische Anforderungen, Kostendruck, eine teilweise praxisfremde Rechtsprechung, Zusatzaufgaben für Finanz- und Vollzugsbehörden, ausufernde Verbraucherschutzvorgaben, die zu immer komplexeren Beratungs- und Dokumentationsanforderungen führen - dies sind alles Anforderungen, die den Unternehmen, aber auch den Mitarbeitern immer mehr abverlangen. Daher ist es laut Walter die Pflicht und Verantwortung des Vorstands und des Aufsichtsrats, sich darum zu kümmern, dass die Bank auch in Zukunft gut aufgestellt ist und weiter regional mit dem bestehenden Geschäftsstellennetz agieren kann. Thomas Walter weiß auch, dass die in den letzten Jahren durchgeführten Schließungen einiger Geschäftsstellen nicht populär waren, aber leider durch den wachsenden Kostendruck, durch fehlendes qualifiziertes Personal  und insbesondere auch durch ein verändertes Nutzungsverhalten der Kunden nicht mehr vermeidbar waren. „Aber so sieht die Bankenwelt leider aus. Das Rad der Anforderungen dreht sich immer schneller und die gute heile Welt von vor 20 oder 10 Jahren gibt es so nicht mehr. Wir dürfen darum nicht in die Vergangenheit denken, sondern müssen unser Augenmerk auf die Zukunft richten“, resümierte Walter. In der Diskussion gab es aus den Reihen der Mitglieder neben positiven Meinungen auch einige Stimmen, die einer Fusion kritisch gegenüberstehen. Hier versuchten die Vorstände mit Argumenten, die möglichen Vorteile einer Fusion näherzubringen. „Derzeit wird von einer unabhängigen Gesellschaft geprüft, ob die beiden Banken  zusammenpassen. Erst danach kann man dann wirklich sagen, ob ein Zusammenschluss sinnvoll ist. Momentan können wir auf jeden Fall sagen, dass wir bei einer möglichen Fusion auf Augenhöhe verhandeln können. Ob dies in ein paar Jahren und unter Umständen mit schwierigeren Konstellationen auch noch möglich ist, ist fraglich“, schloss Thomas Walter. Neu-Vorstand Markus Biermann fand den Meinungsaustausch sehr gut. „Da sieht man, dass die gewählten Vertreter sich für die Bank interessieren und sich Gedanken und Sorgen um das Wohl Ihrer örtlichen Raiffeisenbank machen und zum jetzigen Zeitpunkt ein offener und ehrlicher Meinungsaustausch stattfindet. Die Mitglieder und Kunden können gerne jederzeit auf uns zukommen“.

Dominic Lauter (links) wird zum Jahresende die Raiffeisenbank verlassen. Schon jetzt durfte er und Vorstandsvorsitzender Thomas Walter (Mitte) seinen Nachfolger Markus Biermann (rechts) begrüßen.